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Der letzte Akt meiner Alpenüberquerung hat
begonnen, heute werde ich das erste mal mit dem
Zug zum OASE-Treffpunkt fahren. Früh am Morgen
geht es mit der Bahn von Hof über Regensburg
nach München, dort werde ich am späten
Vormittag auf den Rest der Gruppe treffen. Zugfahren
ist ehrlich gesagt nicht so meins, das ist mir
zu unflexibel und dieses monotone dahin fahren
nervt mich. Ich bin lieber mit dem Auto unterwegs.
Am Bahnhof in München treffe ich den Rest
der Gruppe. Bergführer Christian, vom OASE-AlpinCenter
sammelt seine Schäfchen ein und wir stellen
uns alle in wenigen Worten vor. Die Gruppe ist
ein netter Haufen und ich freue mich schon jetzt
auf die kommenden Tage mit ihnen.
Bevor es so richtig los geht, steht uns noch eine
abenteuerliche Fahrt mit der Bahn bevor. Wir fahren
gemeinsam von München, nach Innsbruck, über
den Berner nach Südtirol zum Bahnhof von
Rovereto. Diese Fahrt muss ich gestehen hat mir
richtig gut gefallen. Den Brenner einmal nicht
mit dem Auto zu überqueren hatte was - Nachmachen
empfohlen.
In Rovereto angekommen, steigen wir in ein Taxi
und fahren zu unserer ersten Unterkunft. Am späten
Nachmittag, etwas müde von der langen Anfahrt,
laufen wir noch ein paar Meter. Das tat richtig
gut! Den ersten Abend verbringen wir in gemeinsamer
Runde. Schnell stellt sich heraus was das Thema
der Woche sein wird, die Fußball Weltmeisterschaft
ist es. Während unserer Tour werden die letzen
Spiele sein, Deutschland ist noch im Rennen, Italien
auch und pünktlich zum Finale Deutschland
gegen den noch Unbekannten werde wir wieder daheim
sein. Doch alles wird ganz anders kommen. Heute,
an unserem ersten Abend, hoffen wir erst einmal,
das alle Hütten mit einem Fernseher ausgestattet
sind.
Früh am Morgen des zweiten Tages, geht es
dann richtig los. Die Bergschuhe sind geschnürt,
der Rucksack bereit und wir stehen in den Startlöchern.
Der gesamte dritte Teil auf dem E5 ist alpiner
als ich dachte, sicherlich sind es keine Ötztaler
mehr die hier herum stehen, aber anstrengend sind
die Tagesetappen alle mal auch. Die Landschaft
hier wirkt schon sehr Dolomitisch, überhaupt
muss ich einmal erwähnen, wer seine Alpenüberquerung
in Meran beendet, begeht einen großen Fehler.
Erst hier unten bekommt man ein richtiges Gefühl
dafür, wie die Alpen von Nord nach Süd
verlaufen. Wer behauptet, das sähe man mit
dem Auto auch, dem kann ich nur sagen vergiss
es! Nur wo Du zu fuß warst, warst Du wirklich!
Auf einen Punkt möchte ich noch besonders
eingehen, der dritte Teil E5 ist eine sehr geschichtsträchtige
Tour. Täglich laufen wir vorbei an Schützengräben,
gesprengten Berggipfeln und Schützen-Löchern
in den Wänden. Hier in dieser Region lieferten
sich Italiener und Österreicher im ersten
Weltkrieg einen erdbitterlichen Kampf. Was hier
oben abging, ist erst erkennbar, wenn man es mit
eigenen Augen gesehen hat. Unglaublich was diese
Männer dort geleistet haben. Solche Denkmäler,
Monumente und Bauwerke halten ein zur Stille.
Nach der Stille allerdings kommt dann abends auf
der Hütte erst einmal wieder das Jubeln dran.
Deutschland gegen Italien steht auf dem Programm
und wir befinden uns auf feindlichem Gebiet -
das wird gefährlich. Den ganzen Tag schon
hoffen wir, dass es auf der heutigen Hütte
einen Fernseher gibt. Wir kommen an, reisen die
Tür auf und durchsuchen mit Adlers Augen
den Raum, wo steht er, wo steht das Objekt der
Begierte, wo ist er der Fernseher?
Der Hüttenwirt hat extra einen Fernseher
besorgt, wir können es vor Freude kaum glauben
und jubeln schon mal vorab. Die Ernüchterung
allerdings stellt sich schnell wieder ein. Einen
Fernseher haben wir, die hektischen Italiener
im Eck haben es nur bis jetzt noch nicht geschafft
ein Programm einzustellen. Wir geben die Hoffnung
mal nicht auf, bis zum Spielbeginn ist es ja noch
ein Stück.
Wir gehen erst einmal Duschen, was Essen und freuen
uns bei einem Glas Wein auf das Fußballfest
im feindlichen Gebiet. Im Fernsehraum angekommen,
trauen wir unseren Augen nicht, 20 Minuten vor
Spielbeginn, stehen diese drei Italiener immer
noch hektisch vor dem Fernseher und nichts geht.
Christian und ich sind den Tränen nah. Bitte
um Gottes Willen bitte, bringt uns ein Bild ...
ein bewegtes Bild.
Das Spiel hat begonnen, alles wird hektisch und
immer noch nichts zu sehen. Ich für meinen
Teil habe nach 20 Minuten Spielzeit die Schnauze
voll und gehe mit meinem Glas Wein auf die Terrasse.
Dort sitzen zwei nette Mädels, sich mit denen
zu unterhalten macht auf jeden Fall mehr Spaß,
als in der Hütte den aufgescheuchten Italienern
zu zuschauen. Halbzeit, Christian kommt raus ...
mei Jörg sagt er, das wird heute nichts
mehr gibt aber die Hoffnung nicht
auf und geht wieder rein. Jetzt hat Christian
die Fernbedienung in der Hand und versucht sein
möglichstes.
Ein Schrei, ein ultra lauter Schrei kommt aus
der Hütte alles scheint aufgesprungen
zu sein, alles Jubelt ... ein Tor? ... nein, es
ist das Bild das Bild ist da. Christian
hat es tatsächlich geschafft. Alles rennt
in die Hütte, 20 Minuten haben wir noch und
es ist noch kein Tor gefallen. Was für ein
Jubel in der Hütte! Egal auf welches Tor
gestürmt wird, irgend wer schreit immer,
ob wir Deutschen oder die Italiener. Was dann
kurz vor Schluss passiert ist, brauch ich Euch
nicht zu erzählen. Ich wünschte in diesem
Moment, Christian hätte es nicht geschafft
die Kiste zum laufen zu bringen. TOTAL unverdient
schießt doch tatsächlich so ein Feind
ein Tor. Das kann doch nicht wahr sein
aus und vorbei der Traum und das noch im feindlichen
gebiet, was für eine Schmach ...
Was uns am nächsten Tag bei jeder Begegnung
mit Italienern verbal begegnet ist, möchte
ich hier gar nicht erwähnen das tat
weh, sehr weh. Das Ende vom Lied war, wir putzten
um Platz drei die Portugiesen vom Platz und die
WM war vorbei, unsere Gruppe erfolgreich in Verona
angekommen und jeder war wieder glücklich.
Etwas wichtiges habe ich auf dieser Tour trotzdem
gelernt ...
... lieber Dritter statt Petze ... das werde ich
auch meinen Kinder mit auf dem Weg geben ;-)!
Jedem halbwegs begeisterten Wandersmann möchte
ich diese Tour ans Herz legen, der E5 Teil 3 ist
etwas ganz besonderes auch ohne WM im Rücken!
Wir sehen uns in den Bergen ...
Euer Jörg
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